Ein DNS-Filter ist so etwas wie das Telefonbuch deines Internets: Jedes Gerät im Haus fragt ihn, wo eine Website wohnt – und ein Familien-DNS antwortet bei den falschen Adressen einfach nicht. Der Charme daran: Einmal im Router eingetragen, schützt er jedes Gerät im WLAN – auch den Besuchs-Laptop und den Fernseher. In unserem NextDNS-Artikel haben wir den flexibelsten Dienst ausführlich eingerichtet. Heute schauen wir auf die Alternativen: AdGuard DNS, CleanBrowsing, Cloudflare Families und den europäischen Neuzugang DNS4EU – wer filtert was, wer bekommt deine Daten, und für wen lohnt sich was?
Wenn du gerade nur das akute Problem lösen willst: Prüfe zuerst, ob das richtige Gerät im richtigen Profil steckt. Danach kommen Filter, Zeitfenster und Ausnahmen. Zur passenden Übersicht.
Kurz erklärt: Was ein DNS-Filter kann – und was nicht
Hinweis zu den Praxisbildern: Die Grafiken sind vereinfachte MedienStop-Beispielansichten. Menüpunkte und Bezeichnungen können je nach Gerät, App-Version oder Konto leicht abweichen.

Bevor wir vergleichen, eine ehrliche Einordnung:
- Stark ist der DNS-Filter in der Breite: Er blockiert Erwachsenen-Seiten, Malware und (je nach Dienst) Werbung für alle Geräte gleichzeitig – ohne Software-Installation, ohne dass das Kindergerät mitspielen muss.
- Schwach ist er in der Tiefe: Er sieht nur Adressen, keine Inhalte. Innerhalb von YouTube oder TikTok filtert er nichts – das bleibt Aufgabe der App-Einstellungen und der sicheren Suche.
- Und er ist umgehbar: Ein Gerät mit aktivem VPN oder eigenem „privatem DNS“ fragt am Router vorbei. Beim kindersicheren Handy lässt sich das per Geräteregel unterbinden – fürs Familien-WLAN gilt: Der DNS-Filter ist die zweite Verteidigungslinie, nicht die einzige.
AdGuard DNS: der Flexible mit EU-Sitz
AdGuard (Firmensitz Zypern, also EU; Server u. a. in Frankfurt und Amsterdam) fährt zweigleisig:
- Ohne Konto, kostenlos: Die öffentlichen „Family Protection“-Server blockieren Erwachseneninhalte und erzwingen SafeSearch – einfach die Adressen 94.140.14.15 und 94.140.15.16 in den Router eintragen (verschlüsselt:
family.adguard-dns.com). Dazu gibt es eine Standard-Variante, die „nur“ Werbung, Tracker und Schadseiten filtert. - Mit Konto („Private AdGuard DNS“): Hier wird es NextDNS-ähnlich: eigene Sperr- und Erlaubnislisten, einzelne Dienste blockieren, Statistiken pro Gerät – und als Besonderheit Zeitpläne („Social Media während der Hausaufgaben aus“). Ein Gratis-Kontingent gibt es; der Personal-Plan kostet etwa 2,50 Dollar im Monat (Preis zuletzt im Juni 2026 geprüft – vor dem Abschluss kurz auf adguard-dns.io nachsehen).
Einordnung: Die stärkste NextDNS-Alternative, wenn du Regeln und Zeitpläne willst – mit dem Pluspunkt EU-Firmensitz.
CleanBrowsing: der Spezialist mit drei festen Filtern

CleanBrowsing (US-Anbieter) ist seit Jahren auf Familienfilter spezialisiert und hält es übersichtlich – drei kostenlose, feste Filterstufen:
- Family-Filter (185.228.168.168 / 185.228.169.168): blockiert Pornografie komplett, dazu Proxy- und VPN-Seiten sowie „gemischte“ Plattformen wie Reddit; SafeSearch wird bei Google, Bing und YouTube erzwungen. Die richtige Stufe für Familien mit Kindern.
- Adult-Filter: wie Family, aber Reddit und VPN-Dienste bleiben erreichbar – eher für Teenager-Haushalte.
- Security-Filter: nur Malware und Phishing, kein Jugendschutz.
Wer eigene Listen, mehrere Profile (Eltern vs. Kinder) und wählbare Protokollierung will, zahlt rund 75 Dollar im Jahr für den Familien-Plan. Einordnung: sympathisch unkompliziert – „IP eintragen, fertig“ –, aber als US-Dienst ohne ausdrückliche DSGVO-Zusage; im Gratis-Betrieb verspricht der Anbieter immerhin „zero tracking“.
Cloudflare 1.1.1.3: der Einfachste
Cloudflares „1.1.1.1 for Families“ ist die Minimal-Lösung: kostenlos, schnell, ohne Konto – und ohne jede Einstellmöglichkeit.
- 1.1.1.2 blockiert Schadsoftware, 1.1.1.3 (plus 1.0.0.3) zusätzlich Erwachseneninhalte. Mehr Auswahl gibt es nicht – keine Kategorien, keine Zeitpläne, keine Listen.
- Beim Datenschutz gibt sich der US-Konzern Mühe: IP-Adressen werden gekürzt und binnen 25 Stunden gelöscht, die Praxis ist extern auditiert.
Einordnung: Der richtige Griff, wenn es sofort und ohne jede Pflege einen Grundfilter geben soll – etwa auf dem Zweitrouter in der Ferienwohnung. Für den Familienalltag fehlt die Feinjustierung.
DNS4EU: der Europäer (und ein Abschied von dns0.eu)
Erst die Pflicht-Nachricht: Der in älteren Ratgebern oft empfohlene europäische Dienst dns0.eu wurde im Oktober 2025 eingestellt – falls er bei euch noch im Router steht, solltet ihr wechseln. Sein natürlicher Nachfolger ist DNS4EU (joindns4.eu), ein von der EU kofinanziertes Projekt, betrieben von der tschechischen Firma Whalebone:
- Kostenlos mit fertigen Varianten: Für Familien interessant ist der „Child Protection“-Resolver 86.54.11.12 (verschlüsselt:
child.joindns4.eu) – er blockiert unter anderem Sexualinhalte, Glücksspiel und Gewalt-Seiten. Die Variante 86.54.11.11 filtert zusätzlich Werbung. - Datenschutz als Programm: Client-IPs werden nach eigener Aussage vollständig anonymisiert, DSGVO-Konformität ist erklärtes Projektziel – europäischer wird es derzeit nicht.
- Dafür gilt wie bei Cloudflare: keine Anpassung, kein Konto, keine Zeitpläne – was die feste Liste blockiert, wird blockiert.
Einordnung: Die beste „eintragen und vergessen“-Option für alle, denen europäische Datenhaltung wichtig ist.
Der Vergleich: Welcher passt zu eurer Familie?
- Maximale Kontrolle (Profile, Zeitpläne, Protokolle): NextDNS oder AdGuard DNS mit Konto – AdGuard punktet mit EU-Sitz, NextDNS mit dem größeren Funktionsumfang.
- Solide Familien-Voreinstellung ohne Konto: AdGuard Family (94.140.14.15) oder CleanBrowsing Family (185.228.168.168) – beide erzwingen nebenbei SafeSearch, CleanBrowsing sperrt zusätzlich VPN-Ausweichwege.
- Europäisch & wartungsfrei: DNS4EU Child Protection (86.54.11.12).
- Nur ein schneller Grundschutz: Cloudflare 1.1.1.3.
- Übrigens kein Kandidat: Das oft empfohlene Quad9 (9.9.9.9) ist ein hervorragender Sicherheits-DNS einer Schweizer Stiftung – aber es filtert grundsätzlich keine Erwachseneninhalte und ist daher als Jugendschutz ungeeignet. Gut als Standard-DNS für die Eltern-Geräte.
- Für Bastler: Mit AdGuard Home oder Pi-hole auf einem Mini-Rechner bleibt die komplette Filterung im eigenen Haus – volle Datenhoheit gegen etwas Wartungsaufwand.
Einrichtung in der FRITZ!Box: fünf Minuten
- Öffne fritz.box → Internet → Zugangsdaten → Reiter „DNS-Server“.
- Wähle „Andere DNSv4-Server verwenden“ und trage den bevorzugten und alternativen Server deines Dienstes ein (z. B. 94.140.14.15 und 94.140.15.16 für AdGuard Family). Falls vorhanden, das Gleiche für DNSv6.
- Verschlüsselung dazu (empfohlen): Auf derselben Seite „Verschlüsselte Namensauflösung im Internet (DNS over TLS)“ aktivieren und den Hostnamen eintragen (z. B.
family.adguard-dns.comoderchild.joindns4.eu). - Übernehmen, testen: Eine bekannte Erwachsenen-Domain im Browser aufrufen – sie sollte ins Leere laufen. Bei AdGuard/CleanBrowsing zusätzlich prüfen, ob Google nur noch mit SafeSearch antwortet.
- Gut zu wissen: Für Internettelefonie nutzt die FRITZ!Box weiterhin die Provider-Server – das ist normal. Und das FRITZ!Box-eigene Kinderprofil mit Zeitbudget arbeitet unabhängig vom DNS-Filter weiter: Die beiden ergänzen sich perfekt – der eine regelt das Wann, der andere das Was.
Häufige Problemfälle
Wenn bei dir nicht die Grundeinrichtung, sondern ein konkretes Problem im Vordergrund steht, helfen diese kurzen Checks weiter:
Das hilft dir als Nächstes
Wenn du dieses Thema gerade angehst, sind diese Anleitungen oft die nächsten sinnvollen Schritte:
Häufige Fragen (FAQ)
Ersetzt ein DNS-Filter die Kindersicherung am Gerät?
Nein – er ergänzt sie. Der DNS-Filter blockiert Adressen fürs ganze WLAN, sieht aber nicht in Apps hinein und wirkt nicht im Mobilfunknetz. Die Kombination macht es: Kinderkonto und Bildschirmzeit am Gerät, DNS-Filter und FRITZ!Box-Profil im Netz.
Welcher kostenlose DNS-Filter ist der beste für Familien?
Ohne Konto: AdGuard Family Protection oder CleanBrowsing Family – beide blockieren Erwachseneninhalte und erzwingen SafeSearch; DNS4EU ist die europäische Alternative. Wer Profile und Zeitpläne will, kommt um ein (Gratis-)Konto bei NextDNS oder AdGuard DNS nicht herum.
Was ist aus dns0.eu geworden?
Der französische Dienst wurde im Oktober 2025 aus Ressourcengründen eingestellt – samt seiner „Kids“-Variante. Wer ihn noch im Router stehen hat, sollte auf DNS4EU (86.54.11.12 für Kinderschutz) oder einen der anderen Dienste aus diesem Vergleich umstellen.
Bremst ein DNS-Filter unser Internet aus?
Praktisch nicht spürbar. Alle hier vorgestellten Dienste betreiben Server in oder nahe Deutschland; die Namensauflösung dauert wenige Millisekunden. Die Download-Geschwindigkeit selbst läuft ohnehin nicht über den DNS-Server – er ist nur das Telefonbuch, nicht die Leitung.
Kann mein Kind den DNS-Filter umgehen?
Technisch versierte Kinder können am Gerät ein „privates DNS“ oder VPN einstellen und so am Router vorbeifragen. Gegenmittel: Beim Family-Link- oder Apple-Kinderkonto lassen sich solche Einstellungen sperren, CleanBrowsing blockiert VPN-Seiten gleich mit – und das offene Gespräch bleibt wie immer die beste Versicherung.
Fazit: Das Telefonbuch entscheidet mit
Ein Familien-DNS ist die effizienteste Viertelstunde im ganzen Kinderschutz-Projekt: einmal in der FRITZ!Box eingetragen, profitiert jedes Gerät im Haus. NextDNS und AdGuard DNS bieten die feinen Regler, AdGuard Family und CleanBrowsing die soliden Fertiglösungen, DNS4EU die europäische Sorglos-Variante, Cloudflare den Schnellstart. Falsch machst du mit keinem davon etwas – falsch wäre nur, das Telefonbuch deines Heimnetzes dem Zufall zu überlassen.
Schritt für Schritt durchs ganze Haus: Hol dir die kostenlose Checkliste fürs kindersichere Zuhause.

